Jetzt oder nie, denken immer mehr Menschen und gönnen sich eine längere Auszeit. Die Beweggründe sind vielfältig: Den einen lockt die Weltreise im Wohnmobil, den anderen vielleicht die Möglichkeit, den Kopf freizubekommen und neue Energie zu tanken. Welche Modelle gibt es? Wie steht es um die soziale Absicherung? Und nicht zuletzt: Wie gelingt die erfolgreiche Rückkehr an den Arbeitsplatz?

Beim Sabbatical (auch Sabbatjahr) handelt es sich um unbezahlten Sonderurlaub, den der Arbeitnehmer nach eigenem Ermessen gestalten kann. In der Regel dauert das Sabbatjahr zwischen einem Monat und einem Jahr. Aber: In Deutschland gibt es keinen generellen Anspruch auf eine Auszeit.

Individuelle Vereinbarung

Abgesehen von wenigen Tarifverträgen braucht es fast immer eine individuelle Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Eine Ausnahme bildet hier der öffentliche Dienst. Vereinfacht sieht es dort so aus, dass Beamte eine gewisse Zeit für einen entsprechenden Anteil des normalen Gehalts ihren Dienst leisten. Konkret sind es zwischen zwei bis sechs Jahren. Die Einbuße dient dann dazu, im Freistellungsjahr ebenfalls die anteiligen Dienstbezüge weiterzubekommen. Theoretisch können auch privat beschäftigte Personen solche Vereinbarungen mit ihrem Arbeitgeber treffen.

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer bekommt ein Jahresgehalt von 60.000,00 Euro. Er vereinbart mit seinem Arbeitgeber, dass er für die nächsten 3 Jahre nur noch 40.000,00 Euro bekommt. Dafür arbeitet er 2 Jahre in Vollzeit und muss im dritten Jahr keine Arbeitsleistung erbringen.

Freizeitausgleich und Wertguthaben

Gibt es ein Arbeitszeitkonto, lassen sich dort – je nach Vereinbarung – mehr oder weniger viele Mehrarbeitsstunden ansammeln. Diese können dann als Freizeitausgleich für die Auszeit genutzt werden. Klarer Vorteil: Das Gehalt fließt unverändert weiter, entsprechend bleibt auch die soziale Absicherung erhalten.

Langzeit- oder Lebensarbeitszeitkonten gehen über den reinen Freizeitausgleich hinaus und eignen sich insbesondere für längere Freistellungszeiten. Bei solchen Modellen fließen nicht nur Mehrarbeitsstunden, sondern ggf. auch Sonderzahlungen zusätzliche Urlaubstage usw. über längere Zeiträume hinweg auf ein Zeitwertkonto. Da auf lange Sicht angelegt, muss eine entsprechende schriftliche Vereinbarung für dieses Modell vorliegen, eine Absicherung gegen das Risiko der Insolvenz ist obligatorisch. Das aufgebaute Guthaben wird in der Phase, in der der Mitarbeiter nicht arbeitet, als Gehalt ausgezahlt. Der Mitarbeiter ist somit finanziell und sozial abgesichert.

Denkbar wäre es auch, erst freizumachen und dann nachzuarbeiten, um das Konto wieder auszugleichen. Wegen der damit verbundenen Risiken ist dies jedoch eine eher selten anzutreffende Variante.

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer befindet sich bis Ende September 2022 in der Auszeit und hat dafür sein komplettes bisheriges Wertguthaben verwendet. Nun möchte er kurzfristig um 1 Monat verlängern. Mit dem Arbeitgeber vereinbart er, den Oktober 2022 über das Wertguthabenkonto mit einer für Dezember 2022 anstehenden Jubiläumsgratifikation (1 Monatsgehalt) auszugleichen.

Sonderurlaub

Eine relativ unkomplizierte Variante zur längeren Freistellung ist der unbezahlte Sonderurlaub bis zu einem Monat. Sozialversicherungsrechtlich ist dies unproblematisch da ein Beschäftigungsverhältnis auch während einer Arbeitsunterbrechung bis zu einem Monat ohne Anspruch auf Arbeitsentgelt als fortbestehend bewertet wird.

Beispiel:

Eine Arbeitnehmerin möchte ihren alten sowie neuen Jahresurlaub von jeweils 6 Wochen zu einer längeren Auszeit kombinieren. Im Anschluss plant sie noch unbezahlten Urlaub. Sie kann zusätzlich zu den 12 Wochen Erholungsurlaub bis zu 1 Monat unbezahlten Urlaub anhängen und bleibt in dieser Zeit sozialversichert.

Längere Freistellung

Wer mehr Zeit benötigt und nicht über entsprechende Arbeitszeit- oder Urlaubsguthaben verfügt, kann mit dem Arbeitgeber dennoch längere Freistellungszeiten vereinbaren. Aber: Wird während dieser Zeit keine Vergütung gezahlt, gilt das Beschäftigungsverhältnis als ruhend. Folglich muss sich der Arbeitnehmer selber um seine Kranken- und Pflegeversicherung kümmern und auch die Beiträge allein tragen. Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge fallen während dieser Zeit allerdings nicht an – es sei denn man möchte diese freiwillig entrichten.

Gute Planung

Egal für welches Modell man sich entscheidet: Experten raten dazu, die geplante Freistellung mindestens ein halbes Jahr vorher mit dem Arbeitgeber zu besprechen. So gibt es für beide Seiten einen ausreichenden Planungshorizont– etwa um eine Vertretung zu organisieren oder einen anderen Mitarbeiter befristet einzustellen. Erfahrungsgemäß haben es große Unternehmen hierbei leichter als Kleinbetriebe.

Vertrag schafft Klarheit

Haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Modalitäten der Auszeit verständigt, sollten sie dies im Rahmen eines Vertragsdokuments schriftlich niederlegen. Wichtige Eckpunkte sind etwa die Zusicherung der späteren Rückkehr auf die alte Stelle oder auch ein Kündigungsverbot.

Urlaub im Urlaub?

Grundsätzlich behalten Arbeitnehmer ihren Urlaubsanspruch, solange das Arbeitsverhältnis besteht. Die bezahlte Freistellung schadet also nicht. Anders liegen die Dinge bei der Auszeit ohne Entgeltanspruch. Für diese Zeiten steht kein Urlaub zu, der Arbeitgeber darf also (anteilig) kürzen.

Und danach?

Stress lass nach: Studien zeigen, dass ein Sabbatical durchaus positive Auswirkungen auf den Gesundheitszustand haben kann. Allerdings verpufft dieser Effekt zumeist recht schnell, sobald man wieder in sein altes Leben zurückkehrt. Man tut also gut daran, sich während der Zeit der Freistellung z. B. Gedanken darüber zu machen, was einen früher ggf. stark gestresst hat und wie man dies künftig vermeiden, zumindest aber abschwächen kann.