Mit dem Steuerentlastungsgesetz 2022 hat die Bundesregierung Maßnahmen beschlossen, um Bürgern einen Ausgleich für die gestiegenen Kosten zu gewähren. Das Gesetz wurde zwar erst Ende Mai 2022 verabschiedet, die Neuerungen gelten jedoch teilweise rückwirkend zum Jahresbeginn. Nachfolgend ein Überblick.

Alle klagen über zu hohe Spritpreise. Dem will der Gesetzgeber Rechnung tragen und Fernpendler über die Entfernungspauschale begünstigten. Konkret können diese nun seit dem 01.01.2022 (zunächst befristet bis Ende 2026) 0,38 Euro ab dem 21. Entfernungskilometer ansetzen. Bisher waren es 0,35 Euro. Die ersten 20 Kilometer werden unverändert mit 0,30 Euro berücksichtigt.

Beispiel

Ein Arbeitnehmer hat einen Arbeitsweg von 28 Kilometern. Pro Arbeitstag kann er damit folgende Entfernungspauschale ansetzen:

20 km × 0,30 Euro =6,00 Euro
8 km × 0,38 Euro =3,04 Euro*
9,04 Euro

* Vor der Änderung hätte er für die 8 km 2,80 Euro (8 km x 0,35 Euro), insgesamt also 8,80 Euro ansetzen können.

Freibetrag steigt

Auch der Arbeitnehmer-Pauschbetrag wurde erhöht. Für die Zeit seit 01.01.2022 werden nun 1.200,00 Euro anstelle der bisherigen 1.000,00 Euro berücksichtigt. Aber: Wer ohnehin höhere Werbungskosten hat, für den bleibt diese Anhebung wirkungslos.

Steuerfreibetrag ändern

Wurde ein Steuerfreibetrag eingetragen, kann dieser aufgrund der geänderten Entfernungspauschale angepasst werden. Grundsätzlich wirkt die Änderung ab dem Folgemonat des Antrags, also etwa bei Antragstellung im September ab Oktober 2022. Für eine Änderung ab 2023 läuft die Frist am 31.01.2023 ab. Die Anpassung lohnt sich aber nur, wenn der Vorteil durch den gestiegenen Arbeitnehmer-Pauschbetrag geringer wäre.

Steuerabzug sinkt

Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass mehr Geld zur Sicherung des Existenzminimums steuerlich freigestellt wird. Dazu steigt der Grundfreibetrag per 01.01.2022 von 9.984,00 Euro auf 10.347,00 Euro. Der Eingangssteuerbereich (Steuersatz 14 Prozent) endet jedochweiterhin bei 14.926,00 Euro (Einzelveranlagung). Ebenfalls unverändert greifen der Spitzensteuersatz von 42 Prozent ab einem zu versteuernden Einkommen von 58.597,00 Euro sowie der Höchstsatz von 45 Prozent bei Einkommen ab 277.826,00 Euro. Wegen der Auswirkungen der Veränderungen auf die Lohnsteuerberechnung hat das Bundesfinanzministerium eigens neue Programmablaufpläne veröffentlicht.

Rückwirkung

Die Veränderungen bei den Steuern wirken, so wollte es der Gesetzgeber, nicht nur für die Zukunft, sondern rückwirkend vom 01.01.2022 an. So müssen Arbeitgeber in der Regel den bereits erfolgten Steuerabzug korrigieren und die Steuern aufgrund der geänderten Grundlagen berechnen. Dies kann durch Differenz- oder Neuberechnung für zurückliegende Zeiträume bzw. Erstattung bei einer folgenden Berechnung erfolgen. Ausnahmen gelten etwa, wenn das Beschäftigungsverhältnis bereits beendet wurde. So kann sich der Arbeitnehmer zu viel gezahlte Steuern über die Steuererklärung zurückholen. Außerdem zu prüfen: Entgeltersatzleistungen, wie beispielsweise Kurzarbeitergeld, berücksichtigen das Netto-Entgelt, sind also ebenfalls von den Korrekturen betroffen.

Energiepreispauschale

Nicht nur beim Pendeln wirken sich die gestiegenen Energiekosten aus. Zum Ausgleich wurde eine einmalige Energiepreispauschale in Höhe von 300,00 Euro beschlossen. Arbeitnehmern, die am 01.09.2022 in einem ersten Dienstverhältnis stehen und nach den Steuerklassen 1 bis 5 oder als Minijobber pauschal besteuert werden, wird die Energiepreispauschale über den Arbeitgeber ausgezahlt. Somit soll auch sichergestellt sein, dass jeder Arbeitnehmer den Betrag nur einmal, und zwar aus der Hauptbeschäftigung erhält. Wichtig beim pauschal besteuerten Minijob: Hier muss der Arbeitnehmer schriftlich bestätigen, dass es sich um das erste Dienstverhältnis handelt.

Beispiel

Ein Arbeitnehmer verdient bei Arbeitgeber A 4.500,00 Euro (Steuerklasse 3). Zusätzlich hat er bei Arbeitgeber B einen pauschal versteuerten Minijob, bei dem er 400,00 Euro verdient.

Arbeitgeber A ist der Hauptarbeitgeber, somit zahlt dieser die Energiepreispauschale aus.

Die Auszahlung der Energiepreispauschale erfolgt in der Regel mit der September-Abrechnung. Das Geld entnimmt der Arbeitgeber dabei der einzubehaltenden Lohnsteuer. Die Pauschale wird in der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung mit dem Großbuchstaben E gekennzeichnet.

Kinderbonus

Wie aus Corona-Zeiten bekannt, gibt es erneut einen einmaligen Zuschuss zum Kindergeld. Dieser beträgt 100,00 Euro und wird ab Juli über die Familienkassen – zusammen mit dem Kindergeld – ausgezahlt. Gedacht ist diese Leistung zur Abfederung besonderer Härten für Familien. Übrigens wird der Bonus auch dann gezahlt, wenn für Kinder im Monat Juli 2022 kein Anspruch auf Kindergeld besteht. So reicht es für die Zahlung aus, dass in einem anderen Monat dieses Jahres der Anspruch gegeben ist.

TIPP

Ein Kind wird am 01.08.2022 geboren. Ab dem Monat August 2022 besteht Anspruch auf Kindergeld und somit auch auf den einmaligen Kinderbonus.